Frau brennender Baum Steppe
Burn-out: um nicht auszubrennen, helfen Perspektivwechsel (FOTO: pexels)

Die seelische Autonomie stärken

„Jetzt ist die Kollegin schon wieder krank. Niemand sieht, wie ich mich hier abschufte und ihren Dienste übernehme und zuhause geht es genauso weiter – ich habe Angst davor, auszubrennen“, als Sigrid in der Praxis des Lebensberaters von ihrer Situation erzählt, stimmen ihr die anderen Pflegekräfte zu. Fast jeder kennt ähnliches aus seinem Leben. Der chronische Druck macht krank.

Das belegen auch Daten der Krankenkassen. Vor allem in Berufen, in denen man viel mit Menschen zu tun hat, besteht ein erhöhtes Risiko an Burnout oder Depression zu erkranken. Alten- und Krankenpfleger, Erzieherinnen und Sozialarbeiter zählen zu den gefährdetsten Berufen.

Erwartungen ablegen

Doch was können Pflegekräfte oder Erzieher tun, um nicht in eine Burn-out-Falle zu tappen? Viele Betroffene erkennen, dass sie gefährdet sind, sehen aber keinen Ausweg, steuern wie Roboter programmiert auf einer Straße ins tiefe Tal. Die gute Nachricht: Es gibt Ausfahrten. Die seelische Autonomie zu stärken ist so eine. Und das geht so:

Lege die (unbewusste) Erwartung ab, dass Kollegen den Fleiß sehen oder Chefs Sonderdienste wertschätzen. Dafür sind sie nicht da. Niemand hat ein Recht auf Anerkennung. Nicht einmal humanitäre Einrichtungen wie Altenheime oder Krankenhäuser sind „Wertschätzungsautomaten“. Wer das erwartet, macht sich unglücklich und wird demotiviert. Äußere Wertschätzung kann niemals eine fehlende innere Wertschätzung ersetzen, weil man selbst nicht daran glaubt, was Chefs oder Kollegen zu einem sagen. Stattdessen ist es besser zu akzeptieren, dass mit der Bezahlung die Wertschätzung abgegolten ist.

Wer verlässliche Wertschätzung möchte, muss sie sich selbst geben.

Die nächste Falle ist zu erwarten, dass der Arbeitsplatz sicher ist. Selbst in Zeiten, in denen angebliche 36.000 Fachkräfte fehlen, gibt es keine Arbeitsplatzgarantie. Der Koch eines Restaurants kann noch so ein netter Kerl sein. Wenn er schlecht kocht und die Gäste ausbleiben, wird ihm sein Chef kündigen. Anders ist es in Familien. Der Mensch ist hier wichtiger als die Funktion. Niemand käme auf die Idee, Papa auszutauschen, nur weil er das Auto nicht reparieren kann.

Suche Sicherheit nicht am Arbeitsplatz, sondern in der Familie oder bei Freunden.

Chronisch unzufrieden und damit Burn-out-Gefährdete wünschen sich oft, dass es gerecht zugeht. Dabei ist Gerechtigkeit eine Frage des Betrachters. Der persönliche Standort entscheidet, ob wir etwas als gerecht oder ungerecht empfinden. Menschen beschweren sich gerne über ihren niedrigen Arbeitslohn. Können aber ohne große innere Hemmungen beim Textildiscounter Shirts für drei Euro kaufen, deren Preis nur durch unmenschliche Arbeitsverhältnisse in Asien und Afrika möglich ist.

Sinn und Gerechtigkeit finden

Wer Gerechtigkeit am Arbeitsplatz erwartet, erntet Anlässe, um sich aufzuregen. Das wiederum behindert einen in der Leistung oder man fühlt sich vernachlässigt.

Ähnlich sieht es mit Sinn am Arbeitsplatz aus. Auch wenn es modern erscheint, kein Arbeitgeber, nicht einmal die Kirchen sind für die Sinnerfüllung des Einzelnen verantwortlich. Wer das erwartet, schlüpft in die Opfer-Rolle und gibt Verantwortung an Gesellschaft oder den Arbeitgeber ab.

Gerechtigkeit- und Sinnsuchende finden diese nur im eigene Handeln und Wirken.

Wer bei einer sozialen Einrichtung arbeitet mag das nicht glauben. Weil ja gerade diese damit werben, Sinn zu stiften. Doch zeigt sich im Alltag, dass nie alles sinnvoll sein kann, was der Träger wünscht. Jedoch ist der eigene Tag voll von Gelegenheiten, um Sinn zu stiften oder gerecht zu sein. Die besten Gelegenheiten bieten sich im vollen Kontakt mit Kollegen und Bewohnern.

Halte Hände, höre zu und gib deinen Mitmenschen Raum.

Alle genannten seelischen Bedürfnisse wie Sinn, Sicherheit und Wertschätzung, die wir ins Außen verlagern, lassen uns von äußeren Faktoren abhängig werden. Denn die sind unkontrollierbar.

Das Einzige was wir wirklich beeinflussen können, sind wir selbst.

Um glücklich, motiviert und gesund zu bleiben, sollten wir unser Wohlbefinden nicht an Illusionen und Hoffnungen im Außen knüpfen. Das ist die wirksamste Burn-out-Prophylaxe.

 

So geht´s: Seelische Selbstregulation stärken

  • Wenn etwas schiefgeht kann ich das Scheitern bedauern, traurig sein. Ohne mich scharf zu verurteilen und mir heftige Vorwürfe zu machen.
  • Ich kann mir verzeihen, weil ich nicht perfekt sein muss. Mein Selbstwert speist sich von innen heraus und nicht durch das Lob im Außen.
  • Passiert ein Fehler, bin ich neugierig herauszufinden, wieso er geschehen ist. Ich gehe dem nach, ganz ohne Stress.
  • Ich kann klare Grenzen setzen. Ich weiß, wann ich Nein sagen will. Ich muss mich nicht immer wieder abgrenzen.
  • Abschalten gelingt nach der Arbeit problemlos, wenn andere Impulse wahrnehmbar werden. Das sorgt für den inneren Ausgleich.
  • Mein Selbstwert hängt nicht primär am Erreichen (beruflicher) Ziele.
  • Innere Freiheit lässt mich Alternativen finden und ich habe Freude daran, mich zu entwickeln. Ich möchte meine Talente leben.
  • Macht, Geld oder Bewunderung sind Ersatzbedürfnisse, die ich für mich als solche enttarnt habe.

Wenn die Selbstregulation nicht mehr greift, erlauben Sie sich Hilfe zu holen und zu bekommen.
Sprechen Sie mit uns und vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch per Mail info@der-lebensberater.net oder in ganz dringenden Fällen rufen Sie uns an 0170 9494220.

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