In der gemischten Gruppe treffen sich Männer und Frauen, um offen an sich zu arbeiten – über Scham, alte Männer- und Frauenbilder und intensive Begegnungen. Ein Einblick in Ablauf und Nutzen.
Es beginnt im Stuhlkreis. Kein Podium, keine Bühne, nur Menschen, die bereit sind, ehrlich über sich zu sprechen. Wer diesen Kreis betritt, muss weder eine Krise mitbringen noch ein Problem vorweisen. Es reicht die Bereitschaft, sich zu zeigen.
Die Erfahrung zeigt: Männer sprechen offener, wenn sie unter sich sind – und Frauen vermutlich ebenso. Genau hier setzt das Format der gemischten Gruppe an. Es bricht diese Trennung bewusst auf und lässt beide Seiten voneinander lernen.
Wie aus einem Einzeltermin ein monatliches Format wurde
Ursprünglich war die Öffnung der Gruppe als einmaliges Angebot gedacht. Partnerinnen, Töchter und Angehörige sollten einen Einblick bekommen: Warum hatte sich ein Mann verändert – und wie wird in dieser Arbeit gearbeitet?
Die Resonanz im Jahr 2017 war so groß, dass aus dem geplanten Einzeltermin ein festes Format wurde. Seither findet die gemischte Gruppe monatlich statt. Längst kommen auch Frauen, die mit klassischer Männerarbeit nichts zu tun haben.
Der Mehrwert: Männer- und Frauenbilder geraten in Bewegung
In der gemischten Gruppe entsteht ein Übungsfeld. Männer aus den Männergruppen nutzen es, um sich auch vor Frauen offen und ehrlich zu zeigen. Sehr oft geht es dabei um Scham.
Vereinzelt kommen auch Paare, die hier eine intensive gemeinsame Erfahrung suchen. Und immer wieder verändern sich alte Bilder: Frauen, die schlechte Erfahrungen mit dem eigenen Vater, dem Ex-Partner oder einem Vorgesetzten gemacht haben, können ihr Männerbild revidieren. Viele Männer wiederum ihr Frauenbild.
Ein praktischer Vorteil kommt hinzu. Bei Aufstellungen erleichtert das gemischte Format die Auswahl der Rollen – etwa eine Frau für die eigene Mutter oder einen Mann für den eigenen Vater oder Ex-Partner.
So läuft ein Treffen ab
Der Ablauf folgt einer klaren Struktur, die den Raum für alle sicher macht:
- Regeln klären. Zu Beginn stehen Vertraulichkeit und Freiwilligkeit. Beides schafft die Grundlage dafür, dass sich jeder öffnen kann.
- Einchecken. Jede und jeder nennt den Vornamen und zwei Emotionen. So bekommt die Gruppe ein erstes Gefühl füreinander.
- Teilen. Danach erhält jeder Raum, um mit der Gruppe zu teilen, was ihn oder sie gerade beschäftigt. Das stiftet Vertrauen und schafft Verbindung.
- Prozessarbeit. In der Regel folgen zwei Prozessarbeiten, in denen das Thema jeweils einer einzelnen Person vertieft wird.
- Sharing. Anschließend teilt die oder der Einzelne, was diese Arbeit ausgelöst hat.
- Auschecken. Zum Schluss fasst jede und jeder in einem Satz zusammen, was diese drei Stunden bewirkt haben.
Für wen das Format geeignet ist
Das Angebot richtet sich an alle Menschen, die an ihrer Persönlichkeit arbeiten möchten. Typische Fragen lauten: Wie werde ich wahrgenommen? Wie verhalte ich mich in Gruppen? Wer neugierig ist, mehr über sich und andere zu erfahren, ist hier richtig.
Niemand muss ein „Problem“ haben oder sich in einer Krise befinden, um im Stuhlkreis Platz zu nehmen. Freude an intensiven Begegnungen, an persönlicher Veränderung und an psychologischen Themen wie der gewaltfreien Kommunikation genügt.
Vor allem Menschen, die mit dem anderen Geschlecht ein Thema haben, gewinnen hier neue Einsichten. Denn jede Generalisierung von „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ ist ohnehin falsch.
Mehr Infos und Anmeldung: Gemischte Gruppe | Schorndorf - Der Lebensberater

