
Als Lebensberater erlebe ich immer wieder, wie sehr Väter mit den Herausforderungen des modernen Familienlebens ringen. Viele von ihnen kommen erst sehr spät zu mir – oft, wenn die Situation bereits eskaliert ist. Dabei könnte rechtzeitige Unterstützung so viel bewirken.
Warum fällt es Vätern so schwer, sich Hilfe zu holen?
Ich beobachte ein interessantes Phänomen: Während es im Berufsleben völlig normal ist, sich einen Coach oder Mentor zu suchen, zögern viele Männer, wenn es um ihr Privatleben geht. Dabei geht es hier um das Wichtigste überhaupt – um ihre Kinder, ihre Familie und ihre eigene Lebensqualität.
Die sogenannte Rush-Hour des Lebens zwischen 25 und 40 Jahren bringt besonders viele Herausforderungen mit sich. Ich sehe in meiner Beratungspraxis täglich, wie Väter versuchen, allen Anforderungen gleichzeitig gerecht zu werden: dem Job, der Familie, der Partnerschaft und sich selbst. Oft mit dem Ergebnis, dass sie sich völlig überfordert fühlen.
Interessant ist: Studien zeigen, dass 60 Prozent der Eltern mit kleinen Kindern sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Familie wünschen. Doch nur 14 Prozent setzen dies tatsächlich um. Die meisten Paare orientieren sich immer noch an traditionellen Rollenbildern – der Mann als Haupternährer, die Frau hauptverantwortlich für die Kinderbetreuung.
Die 7 häufigsten Probleme, mit denen Väter zu mir kommen
Aus meiner Erfahrung und den Berichten meiner Kollegen möchte ich die sieben häufigsten Anliegen teilen, mit denen Väter professionelle Unterstützung suchen sollten:
1. Ich habe keine Zeit mehr für mich
Dieses Problem höre ich am häufigsten. Mein Rat: Fang klein an. Ich empfehle meinen Klienten, mit nur 5 Minuten täglich zu beginnen – vor dem Aufstehen der Familie oder nach dem Zubettgehen. Diese Zeit gehört nur dir. Ob zum Meditieren, Lesen, für ein paar Liegestütze oder zum Tagebuchschreiben – wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Dauer.
Viele sind skeptisch: „Was sollen 5 Minuten bringen?“ Aber genau hier liegt der Schlüssel. Die tägliche Wiederholung ist der Trigger für Körper und Geist, die Batterien wieder aufzuladen. Wer diese Routine zur Gewohnheit macht, wird mehr Entspannung, Gelassenheit und Energie im Alltag spüren.
2. Meine Partnerin und ich erziehen völlig unterschiedlich
Ich erkläre meinen Klienten immer: Kinder haben grundsätzlich kein Problem damit, wenn Mama und Papa unterschiedlich sind. Das ist nur ein Spiegelbild der Realität – jeder Mensch ist einzigartig.
Das Problem liegt meist im Umgang der Erwachsenen miteinander. Werten wir den anderen ab? „Du bist zu locker“ oder „Du hast ja keine Ahnung“? In meinen Beratungen konzentriere ich mich darauf, diese Kontraste zu benennen und zu verstehen, was beide Partner in der Erziehung motiviert.
Oft wurzeln unsere Erziehungsstile in der eigenen Kindheit: „So streng wie mein Vater will ich nie sein“ oder Glaubenssätze wie „Man muss sich durchbeißen“. Ich lenke den Fokus dann auch auf die Vater-Kind-Beziehung: Fördert oder stört dein Erziehungsstil deine Beziehung zu deinem Kind? Noch nie habe ich einen Vater getroffen, der bewusst eine schlechte Beziehung zu seinem Kind haben möchte.
3. Wie sage ich meinem Chef, dass ich mehr Zeit für die Familie brauche?
Hinter dieser Frage steckt oft die Angst: „Gerate ich dadurch aufs Abstellgleis?“ Ich rate meinen Klienten zu einer gründlichen Selbstreflexion: Warum erwarte ich von mir, trotz Familie weiterhin 100 Prozent im Job zu geben? Sind das wirklich meine Glaubenssätze oder die meiner Eltern oder der Gesellschaft?
Wenn du dich für mehr Familienzeit entschieden hast, dann stehe dazu und hinterfrage die Entscheidung nicht mehr. Ich empfehle eine strukturierte Vorbereitung für das Gespräch mit dem Vorgesetzten:
- Werde dir über deinen Wert und deine Stärken für das Unternehmen bewusst
- Formuliere klar, was du ändern möchtest (weniger Stunden, Home-Office, eingeschränkte Erreichbarkeit)
- Überlege, wie das praktisch aussehen kann
- Zeige auf, was dein Chef davon hat (zufriedenerer, kreativerer, effizienterer Mitarbeiter)
Und dann: Termin vereinbaren und das Gespräch führen.
4. In Konflikten mit meinem Kind werde ich wütend und aggressiv
Viele Männer kommen gerade beim ersten Kind an ihre Grenzen. In angespannten Situationen reagieren wir oft in alten Mustern aus der eigenen Kindheit. Wir schreien, drohen, werden aggressiv.
Ich helfe meinen Klienten zu verstehen, woher diese Reaktionen kommen. Wo hatten sie als Kind Anlass, wütend, ängstlich oder traurig zu sein? Wo wurden ihre Grenzen überschritten? Viele kennen Sprüche wie „Indianer kennen keinen Schmerz“ oder „Sei keine Heulsuse!“ – so haben wir gelernt, dass unsere Gefühle nicht in Ordnung sind.
Erst wenn du dein eigenes Verhalten und die Grundlage deiner Gefühlsausbrüche verstehst, kannst du anders mit Konflikten umgehen. Du selbst bist verantwortlich für deine Reaktionen.
5. Unsere Partnerschaft ist zerschlissen vom Alltag
Wenn zwei Jobs, viele Verpflichtungen und Kinder die Partnerschaft überlagern – und im Bett Funkstille herrscht – dann ist das ein klares Signal. In solchen Fällen empfehle ich eine Paarberatung, denn es handelt sich um ein gemeinsames Problem.
Ideal sind 5 bis 12 Termine. Es braucht Zeit und Übung, um ungute Muster zu erkennen und zu verstehen. Wichtig ist, sich wieder als Mann und Frau zu finden – und nicht nur in den Rollen als Vater und Mutter zu verharren.
Es gibt keine schnellen Lösungen. Nehmt euch ein paar Monate Zeit, um einander als Paar besser zu verstehen.
6. Meine Partnerin kritisiert mich ständig in Sachen Erziehung
Mein Rat: Schluck den Ärger nicht runter. Sprich aus, was die ständige Kritik bei dir auslöst – Wut, Unsicherheit, Vertrauensverlust.
Für Mütter ist das Loslassen oft schwerer, als sie zugeben wollen. Häufig steckt auch bei ihnen Unsicherheit dahinter. Du musst klar sagen, wie du dein Papa-sein ausfüllen willst, und dann wirklich die Verantwortung übernehmen – jenseits der reinen Aufgabenverteilung.
Frei nach dem Motto: Wenn ich keine Kopie sein will, muss ich als Papa-Original erkennbar sein. Unterschiedlichkeiten anzunehmen und wertzuschätzen schafft gegenseitiges Vertrauen und Sicherheit.
7. Ich komme nicht an meinen jugendlichen Sohn heran
Dein Sohn ist dabei, sich selbst als Mann zu finden und erwachsen zu werden. Dazu braucht er Vorbilder, Impulse, Mentoren und Begleiter – aber nicht zwingend einen „besten Freund“ im Vater.
Ich rate meinen Klienten: Lass deinen Sohn teilhaben an deinen Männerfreundschaften. Gib ihm Zugang zu deinen Gefühlen. Sag ihm klar, wenn er zu weit geht. Aber versuche nicht mit aller Gewalt, sein bester Freund zu sein.
Es gibt Dinge, die bespricht man mit seinem Vater. Und es gibt Themen, die man nur mit dem besten Freund teilt. Sei deinem Sohn ein Heimathafen, eine sichere Bank. Sag ihm, dass er in dir immer einen Zuhörer haben wird.
Und wichtig: Bevor du einen gut gemeinten Rat gibst, frage, ob er ihn wirklich haben will. Vielleicht braucht er nur jemanden zum Zuhören. Behandle deinen fast erwachsenen Sohn auf Augenhöhe. Es ist sein Leben – du bist nicht für sein Lebensglück verantwortlich.
Mein Tipp: Warte nicht zu lange
„Ich kriege das hin, andere vor mir haben das ja auch geschafft!“ – Dieses Denkmuster ist weit verbreitet, aber nicht hilfreich. Besonders in Krisen ist es ratsam, nicht zu lange zu warten.
Such dir einen Coach als Sparringspartner, mit dem du sortieren, reflektieren und neu priorisieren kannst. Ein niedrigschwelliges Angebot ist dabei wichtig – niemand sollte aus finanziellen Gründen auf Unterstützung verzichten müssen.
Als Lebensberater erlebe ich täglich, wie befreiend es für Väter ist, wenn sie erkennen: Ich muss nicht alles allein schaffen. Professionelle Unterstützung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung – für sich selbst, für die Kinder und für die ganze Familie.
Deine Kinder werden nicht perfekte Eltern brauchen. Sie brauchen Eltern, die bereit sind, an sich zu arbeiten und zu wachsen. Und genau dabei kann ich dir helfen.
Du möchtest mehr darüber erfahren, wie ich dich als Vater unterstützen kann? Kontaktiere mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.