Bücherstapel Psychologie Methoden
Methoden und Mainstream – auch die Psychologie unterliegt Moden.

Stigma der Psychotherapie gibt es nicht mehr

Ursula Nuber, 34 Jahre Chefredakteurin von „Psychologie heute“, zieht mit ihrem Eintritt in den Ruhestand Bilanz: „Das Stigma, das die Psychotherapie lange hatte, gibt es nicht mehr.“ Die 64-Jährige beobachtet, dass sich heute viel mehr Leute helfen lassen. Andererseits sei die Verunsicherung größer, weil Belastungen steigen, und immer häufiger etwa die lebenserfahrene Großmutter fehlt, die früher gesagt hat: „Das ist normal. Krisen gehören dazu.“

Modeerscheinungen

1974 gegründet, habe „Psychologie heute“ dazu beigetragen, die Wissenschaft gesellschaftsfähig zu machen und nicht mehr auf seelische Erkrankungen zu reduzieren, sondern auf die Umwelt, die Arbeitswelt oder Beziehungen anzuwenden, sagt die Psychologin. Leider unterliege seither auch die Psychologie Moden, die oft aus den USA kommen und von den Medien gepusht werden.

Multiple Persönlichkeit“ sei in den 1990ern ein solches Thema gewesen, sagt Nuber im Interview mit der Stuttgarter Zeitung (23.03.2018). Später folgten „Borderline“ oder aktuell „Hochsensibilität“. Auch „Achtsamkeit“ oder „Resilienz“ seien zu Modethemen geworden. Das geschieht immer dann, wenn ein seriöses Thema von den Medien zu sehr verallgemeinert wird. Dann identifizierten sich Menschen mit einem Thema, das letztlich nicht zu ihnen gehöre.

Trennung von Lebenshilfe und Psychologie

Deshalb wünscht sich die Psychologin eine klare Trennung zwischen Psychologie und Lebenshilfe, um ein allgemeines Psychologisieren zu unterbinden. Ihr Zugang zu der Wissenschaft liegt im Tod ihres Vaters begründet als sie 16 war. Ihn hat sie als still und zurückgezogen in Erinnerung. Ein Lehrer am Gymnasium weckte ihr Interesse an Psychologie und im Studium erkannte sie, dass ihr Vater wohl unter einer kriegsbedingten Depression litt, womit sie sich nachträglich sein irritierendes Verhalten erklären konnte. Dieses hatte aber auch die Mutter beschädigt, wodurch die Tochter beidseitig geprägt war.

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