
Es sind nicht alle Männer Schweine –
Wie ein Männercoach die Welt verbessern will
Die Waiblinger Kreiszeitung hat meine Arbeit porträtiert: über Männlichkeit heute, Männergruppen und warum ein neues Männerbild überfällig ist.
Manchmal braucht es jemanden von außen, der einen Blick auf die eigene Arbeit wirft. Redakteurin Andrea Wüstholz von der Waiblinger Kreiszeitung hat ein Gespräch mit mir geführt. Das Ergebnis ist ein Porträt, das mich sehr gefreut hat.
Was Männer wirklich bewegt – und warum sie so selten darüber sprechen
Zu mir kommen Männer mit den unterschiedlichsten Anliegen. Manche haben ihre Partnerin verletzt und verstehen nicht, woher diese Wut kommt. Andere sind seit Monaten krankgeschrieben, weil sie das Verhalten ihres Chefs nicht mehr ertragen. Wieder andere sind Väter, deren Frauen nach der Geburt des ersten Kindes jeden körperlichen Kontakt ablehnen.
Und dann gibt es Männer, die 40 oder 50 Jahre alt sind – und mir offenbaren, dass sie noch nie in ihrem Leben so offen über sich selbst gesprochen haben.
„Über so persönliche Sachen hab ich noch nie mit jemandem geredet. Noch gar nie.“
Dieser Satz begleitet mich seit Jahren. Er sagt alles darüber, was viele Männer in unserer Gesellschaft erlebt haben: eine Sozialisation, die ihnen beibrachte, standhaft zu sein, sich nichts anmerken zu lassen – und Gefühle bestenfalls in Leistung umzuwandeln.
Komplett verschiedene subtile Botschaften
Männern und Frauen ist Ähnliches widerfahren: Beide wurden von Botschaften geprägt, die bestimmte Verhaltensweisen einforderten. Der Unterschied liegt im Inhalt. Für Männer hieß es: Sei ein ganzer Kerl. Zeig keine Schwäche. Für Frauen ging es – vereinfacht gesagt – darum, gefällig zu sein und gut auszusehen.
Diese Muster sind tief verankert. Sie verschwinden nicht einfach, weil die Gesellschaft sich verändert. Sie zeigen sich in der Art, wie Männer Konflikte austragen, wie sie Schmerz ausdrücken – oder eben nicht – und wie sie Beziehungen gestalten.
Themen in unseren Männergruppen
- Macht und Kontrolle – was steckt wirklich dahinter?
- Sexualität und Intimität in langjährigen Beziehungen
- Gefühle ausdrücken – ohne sie zu überwältigen oder zu unterdrücken
- Was bedeutet es, ein guter Vater zu sein?
- Elternzeit, Karriere und das Dilemma vieler werdender Väter
- Selbstfürsorge statt „Bis zum Umfallen arbeiten“
Was für ein Vater willst du sein?
Ich höre es oft: Junge Väter fürchten, beruflich aufs Abstellgleis zu geraten, wenn sie Elternzeit nehmen. Meine Gegenfrage lautet dann immer: „Was für ein Vater willst du sein?“ Nicht: Wie viel Elternzeit ist beruflich vertretbar. Sondern: Was ist dir wirklich wichtig?
Diese Frage öffnet Räume. Männer beginnen, über ihre eigenen Väter nachzudenken – über das, was sie vermisst haben, was sie weitergeben wollen und was sie verändern möchten. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke.
Es braucht ein neues Männerbild
Meine Überzeugung ist: Wir brauchen ein neues Bild von Männlichkeit. Kein Zurück zu patriarchalen Vorstellungen, die längst nicht mehr funktionieren – und die schon immer auf Kosten anderer gingen.
Bewusste Männlichkeit bedeutet: verbunden sein – mit sich selbst, mit der Partnerin oder dem Partner, mit den Kindern. Verantwortung übernehmen, ohne sich dabei zu verlieren. Und: empfindungsfähig bleiben.
Männer- und Vätergruppen im Rems-Murr-Kreis
Michael Sudahl und Leonhard Fromm leiten regelmäßige Gruppen für Männer und Väter – im Rems-Murr-Kreis und in Schwäbisch Hall. Alle Informationen, Termine und Anmeldung: