Beeindruckt waren die Teilnehmer von der Offenheit innerhalb der Gruppe, der Vertrautheit und der Verbundenheit. Foto Fromm

Fünf Tage Rückzug ins Kloster zur „Männerarbeit“

Das Experiment ist gelungen: 13 Männer zwischen 25 und 73 Jahren sind bei der Premiere dem Angebot gefolgt, sich fünf Tage in Kloster Beuron inspirieren zu lassen und am Chorgebet der Mönche teilzunehmen. In täglich drei Zeitblöcken, meist im Stuhlkreis, ging es um „Männlichkeit und Spiritualität“, wie es in der Ausschreibung hieß. Dabei switchte Kursleiter Leonhard Fromm, der Theologie studiert hat und seit 2015 als Gestalttherapeut arbeitet, zwischen Wissensvermittlung und biographischer Selbsterfahrung.

Glaubenssätze anschauen

„Das Seminar hat mich ganz tief berührt, weil ich an meine ureigensten Themen gekommen bin,“ sagt ein Teilnehmer. Viele der Männer nutzten die Gelegenheit, sich mit ihrer Kindheit zu beschäftigten und welche Glaubenssätze sie von dort mit ins Leben genommen haben. Viel Raum war auch für Gefühle wie Trauer, Angst oder Wut, die im Alltag meist nicht willkommen sind und deshalb versteckt werden.

Religion und Transzendenz

Zur Einordnung half den Männern ein historischer Abriss, weshalb der Mensch vor circa 120.000 Jahren überhaupt Religion und Transzendenz für sich entdeckt hat, um seine Lebensangst zu bewältigen. Schon dort hatte der Opfertod seinen Sinn, wenn er dem Überleben der Sippe diente. Auch die Entstehung der Bibel oder die Deutung des Kirchenbegriffs interessierte die Teilnehmer, nachdem sie erstmal für Spiritualität sensibilisiert waren.

Angebot zu Einzelgesprächen

Gästepater Dr. Albert Schmidt setzte wertvolle Impulse und erreichte die Gruppe mit einer Mischung aus Theologie, Inspiration und Frömmigkeit. Etliche Männer nutzten sein Angebot zu Einzelgesprächen. Zentral waren im Plenum immer wieder eigene Glaubensfragen und persönliche Verstrickungen, etwa in Sucht, die Fromm gestalttherapeutisch in Aufstellungsarbeiten und mit anderen Methoden bearbeitete, so dass den Männern Unbewusstes sichtbar wurde.

Offen und verbunden

Spaziergänge in Zweiergesprächen, etwa darüber, wie der eigene Vater geprägt hat, oder Sitzen in Stille nach Ertönen einer Klagschale waren weitere Erfahrungen, die die Männer tief berührt haben. Beeindruckt waren die Teilnehmer von der Offenheit innerhalb der Gruppe, der Vertrautheit und der Verbundenheit
„Das Seminar hat mir endlich Zugang zu meiner Trauer ermöglicht. Die Einladung, meinen Standardsatz ‚Es macht mich wütend…“ durch ‚Es macht mich traurig…‘ zu ersetzen, war der Türöffner,“ bedankt sich ein Teilnehmer Tage nach dem Seminar schriftlich.

Auf Grund der guten Resonanz findet das Seminar vom 26. bis 30.10.2026 nochmals statt: https://erzabtei-beuron.de/veranstaltung/maennlichkeit-und-spiritualitaet-2/ Geplante Termine 2027: 05.-09.04. + 20.-24.09.

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