Frau Trauer schaut nach links
Trauer ist keine Krankheit, vielmehr geht es um Ressourcen-Aufbau. (FOTO: Fotolia)

Mit Körpertherapie Ressourcen aufbauen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will langanhaltende Trauer als psychische Krankheit erfassen. Wer länger trauert, etwa über den Tod seines Partners oder Kindes, würde dann laut Internationalem Statistischem Klassifikationssystem (ICD) als krank gelten. Die gute Nachricht: Bis die elfte Überarbeitung dieses Katalogs zur Anwendung kommt, werden noch Jahre vergehen.

Das Urteil, das ich habe, wenn ich diese Nachricht lese, ist: Hier werden normale Zustände pathologisiert. Gesunde zu Kranken gemacht. Das Tabuthema Trauer wird dadurch (noch mehr) stigmatisiert. Und es kommt noch schlimmer: Bereits 2013 sollte im Diagnostik-Handbuch für psychische Störungen (DSM) Trauer, die länger als zwei Wochen andauert, eine Krankheit sein. Dagegen gab es zu Recht heftige Kritik. Das sehen übrigens auch Experten wie Trauerbegleiter und Palliativexperten so.

Trauerjahr ist ausgestorben

Dabei ist in unserem Kulturkreis das Trauerjahr noch gar nicht so lange „ausgestorben“. Als mein Opa Friedrich Mitte der 1980-er Jahre mit 85 Jahren starb, trug seine Frau Maria, ein ganzes Jahr lang schwarz. Ich war damals knapp zehn Jahre alt. Habe aber früher wie heute den Eindruck, dass meine Oma diese Zeit für sich genutzt hat, um den Verlust „ihres Fritz“ zu betrauern. Lachen habe ich sie in diesen Monaten nicht gesehen. Erst gegen Ende taute sie wieder auf.

Selbst als mein Vater zehn Jahre später (1996) überraschend starb, kleidete sich meine Mutter zwei Monate in schwarz. Innerhalb einer Generation und einer Dekade hatte sich die Tradition, der Trauer sichtbar Raum und Zeit zu geben, in meinem Familiensystem und wahrscheinlich in der Gesellschaft drastisch reduziert. Meine Mutter kaschierte oder verdrängte ihren Schmerz mit Konsum und Reisen. Zumindest fühlte sich das so für mich an. Sie starb wiederum zehn Jahre später. Ich habe es nie mit ihr klären können.

Zugangsemotion zum Liebhaber

Meine Trauer war trotz dieser Erfahrung mit dem Tod lange Zeit wie festgefroren. Weder am Grabe von Mutter noch bei meinem Vater hatte ich mir Raum genommen, um zu trauern. Dass der Tod der Eltern vor dem Erleben des eigenen 30. Geburtstags seelische Deformationen oder Wunden hinterlassen kann, darüber gibt es inzwischen wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Trauer mit Ende 30 als lebendiges Gefühl (wieder) zu entdecken, war für mich wie eine Offenbarung. Ich konnte das, was wie gefroren schien, schmelzen und endlich emotional Abschied von meinen Eltern nehmen. Ich habe in diesen Arbeiten sehr viel geweint. Heute dient mir der Zugang zu meiner Traurigkeit, um weicher zu werden. Im Archetypen-Modell ist die Trauer die Zugangsemotion zum Liebhaber. Ich finde das ein sehr passendes Bild. Wenn ich Zugang zu meiner Trauer finde, werde ich empathischer und kann mich in andere hineinfühlen – was mir im Alltag mitunter schwerfällt.

Mit Cranio Ressourcen schaffen

Laut Statistik durchlaufen 65 bis 99 Prozent der Menschen einen normalen Trauerprozess. Etwa ein Drittel benötigt Hilfe. Trauerstörungen können Kopfschmerzen verursachen oder schlechte Schulnoten. Und im Gegensatz zu einer Depression helfen bei der Trauer Psychopharmaka und psychologische Therapie nicht, hat die Universität Zürich in Forschungen belegt. Trotzdem hilft es, wenn die Trauer aus den Fugen gerät, sich Hilfe zu holen. Allerdings erleben (Langzeit-)Trauernde oft eine Stigmatisierung. Die Gesellschaft hat verlernt, dass es keine Schande ist, mit lange anhaltender Trauer zu leben. Denn das sagt nichts anderes aus, als dass die Ressourcen, die einem Menschen zu Verfügung stehen, nicht ausreichen, um diese enorme Herausforderung wirkungsvoll anzugehen.

Die gute Nachricht: Auch Ressourcen, um zu trauern, können über Körperarbeit aufgebaut werden. Die kann jeder für sich tun. Die Craniosakral-Therapie ist eine Möglichkeit.

Termine bei Michael sudahl@der-lebensberater.net oder 0170 9494220.

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