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Wer sich selbst besser kennt, fühlt sich sicherer. FOTO: pexels)

Sicherheit kann ich mir nur selbst geben

In der Praxis der Lebensberater tauchen immer wieder Fragen nach Geschlechtsunterschieden auf: Sind Frauen wirklich emotionaler? Wieso können Männer keine Gefühle zulassen? Wieso verlieben sich Männer so schnell und Frauen so langsam? Letztlich sind dies alles Sicherheitsfragen. In ihnen steckt der Wunsch, der Liebe und damit dem Leben die Ungewissheit, das Risiko auszutreiben. Wir wollen, dass das Leben einfach ist.

So einfach wie Shoppen gehen oder bei Amazon bestellen. Klick, klick, fertig. Damit aber genauso langweilig. Im Laufe der Lebensjahre entdecken wir: Gute Deals sind ein Geben und Nehmen. Nerds machen daraus sogar Algorithmen. Wir können heute alles berechnen. Auf Schritt A, folgt Schritt B. Ein guter Plan. Alles wird digital und vorhersehbar.

Grund für Risikovermeidung

Wir streben danach, das Unberechenbare kalkulierbar zu machen. Weil wir dann nicht mehr unseren Gefühlen folgen müssen. Denn das macht uns Angst. Die schlechte Nachricht: Wenn wir unsere Gefühle abschalten, töten wir unsere Lebensenergie.

Alles ist Gefühl. Jede ausgehandelte Gehaltserhöhung, jeder Kuss, jedes Neugeborene, das wir im Arm halten, und jede Krankheitsdiagnose sind mit Gefühlen verbunden. Wir müssen sie nur zulassen. Und das gelingt besser, wenn wir keine Deals machen wollen. Wenn wir keine Gegenleistung erwarten. Stattdessen ins volle Risiko gehen. Uns verletzliche zeigen. Nein, verletzlich sind.

Sicherheit statt Risiko

Das ist Risiko pur: Jede Zurückweisung kann schmerzen. Jede Niederlage kann beschämen und jeder Rückschlag kann uns den Boden untern den Füßen wegziehen. Es gibt dann keine Sicherheit mehr. Dafür vielleicht mehr Lebensfreude, weil wir über das Gefühl in Kontakt kommen. Mit dem Gegenüber und schließlich mit uns selbst. Wir können Dinge entdecken, die wir bisher versteckt gehalten haben oder die wir nicht wahrhaben wollten. Das ist vielleicht erhellend, gibt uns aber kaum Sicherheit.

Doch wir brauchen Sicherheit. Fehlt sie uns, stürzen wir in tiefe Löcher, etwa wenn wir den Job verlieren oder uns der Partner verlässt. Ohne Sicherheit vertrauen wir keinem Menschen mehr. Isolieren uns und erzeugen damit genau den Zustand, vor dem wir Angst haben: Alleine und einsam zu sein.

„Die Sicherheit, die wir suchen, können wir nur finden, wenn wir wissen, wer wir sind“, sagt Oskar Holzberg.

Der renommierte Hamburger Paarpsychologe weiß, dass wir uns und unsere Gefühle immer besser kennen lernen können. Darin liegt der Schlüssel zur (gefühlten) Sicherheit. Nur ich kann mir Sicherheit geben,  wenn ich mich kenne. Und das ist auch gut so.

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